Liebe Leserinnen und Leser unseres Newsletters,
wir wissen: Ein Tag hat 24 Stunden, 1440 Minuten und 86400 Sekunden. Für jeden Menschen gleich viel. Einmal dreht sich unsere gute alte Erde um sich selbst. Wir erleben einen Morgen und einen Abend - Tag und Nacht. Wir erleben ein „Heute“.
„Heute“ – das ist nicht morgen oder übermorgen und schon gar nicht das Vergangene. Heute muss ich nicht schon alle Fragen der Zukunft lösen und ich kann das Vergangene auch nicht mehr ungeschehen machen. Es gibt aber auch Tage, an denen das „Heute“ unendlich erscheint. Es dauert und dauert, bis ich eine Antwort bekomme. Ich beobachte die Uhr, bis ein lästiger Termin vorbei ist. Ich rechne die Zeit aus, bis die anstrengende Fahrt endlich vorbei und das Ziel erreicht ist.
Guiseppe Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII., hat in seinem Geistlichen Tagebuch seine Gedanken für ein „nur für heute“ niedergeschrieben, die als „Die zehn Gebote der Gelassenheit“ bekannt wurden. Diese zehn Worte sind weit verbreitet und sehr beliebt, weil sie niemanden überfordern und keine Geniestreiche erwartet werden. Diese Worte - Gedanken - sind:
Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.
Nur für heute werde ich mit größter Sorgfalt auf mein Auftreten achten. Ich werde niemanden kritisieren, werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern. Nur mich selbst.
Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin - nicht nur in der anderen Welt, sondern auch schon in dieser.
Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass sich die Umstände an meine Wünsche anpassen.
Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit der Stille widmen und Gott zuhören. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, so ist das Horchen auf Gott in der Stille notwendig für das Leben der Seele.
Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen. Und ich werde sie niemandem erzählen.
Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe. Sollte ich mich in meinen Gedanken verletzt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass es niemand merkt.
Nur für heute will ich mir ein genaues Programm vornehmen. Auch wenn ich mich nicht daran halten werde – ich werde den Tag planen. Ich werde mich besonders vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit.
Nur für heute will ich keine Angst haben. Ganz besonders nicht davor, mich an allem zu freuen, was schön ist – und an die Liebe zu glauben.
Nur für heute werde ich fest daran glauben - selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten -, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.
Lassen wir die Worte in uns nachklingen. Welches Wort oder welcher Teil aus einem Wort spricht mich an? Welches Wort wird mich durch mein „Heute“ begleiten? Mit welchem Wort werde ich heute, und nur heute schwanger gehen?
Ich wünsche Ihnen für die kommenden Tage und Wochen, dass Sie immer wieder aus dem „Heute“ Kraft und Hoffnung für sich schöpfen, für Ihren Lebens- und Glaubensweg. Und ich wünsche Ihnen viele gute und beglückende Begegnungen, die etwas von Gottes Liebe in Ihrem Leben, in Ihrem „Heute“ aufleuchten lassen.
Seien Sie behütet und gesegnet.
Ihr Diakon Konrad Funk |